Erinnerst du dich an diesen Moment aus der Kindheit, als du einen Buntstift in die Hand genommen hast und einfach — gezeichnet hast? Ohne nachzudenken, ohne zu vergleichen, ohne die Stimme im Kopf, die sagte, das sehe nicht nach etwas Echtem aus? Oder vielleicht erinnerst du dich genau deshalb nicht daran, weil du immer bewertet wurdest.
Ich selbst war viele Jahre lang überzeugt, dass ich es nicht kann.
Woher kommt dieses „Ich kann das nicht" überhaupt
Die meisten von uns haben irgendwann aufgehört zu zeichnen — irgendwo zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr. Nicht weil sie die Lust verloren hatten. Sondern weil sie anfingen zu vergleichen. Sie sahen jemand anderen Zeichnung im Heft, hörten einen Kommentar der Lehrerin oder merkten einfach, dass ihr Haus und ihre Sonne nicht so aussahen, wie sie sollten.
Der Kunstunterricht in der Schule und gesellschaftliche Überzeugungen beruhen auf der Annahme, dass Zeichnen eine technische Fertigkeit ist, die man entweder hat oder nicht — dass es so etwas wie künstlerisches Talent gibt, angeboren, mit bloßem Auge erkennbar. Dabei ist es ganz anders. Kreativität ist nicht nur für Auserwählte. Sie ist ein Bedürfnis, das wir alle in uns tragen — wie das Atmen, wie den Schlaf, wie ein Gespräch mit jemandem, dem wir nahestehen.
Zeichnen ist kein Produzieren von Meisterwerken, sondern eine Art, sich auszudrücken — und ein wunderbares Werkzeug zur persönlichen Entwicklung.
Was es bedeutet, im Einklang mit sich selbst zu zeichnen
Im Einklang mit sich selbst zu zeichnen bedeutet, aus dem Inneren heraus zu gestalten — nicht aus äußeren Erwartungen. Das ist keine Technik. Obwohl Werkzeuge und Inspirationen hilfreich sind, ist das Wichtigste die Haltung gegenüber dem Blatt Papier: Ich kann heute etwas ausprobieren.
Stell dir vor, du setzt dich mit einer Tasse Tee hin, öffnest ein Skizzenbuch und zeichnest ohne Plan. Oder du kolorierst einfach ein paar Motive — nicht so, wie es sein sollte, sondern so, wie du es möchtest, so wie es aus dir herausfließt. Wenn Ausmalen nach einem guten Einstieg klingt, lies wie man mit dem Ausmalen für Erwachsene beginnt — ein vollständiger Leitfaden für Einsteiger.
Das ist Zeichnen im Einklang mit dir selbst. Achtsamkeit — für dich und das, was dir gefällt — statt Perfektion. Neugier auf das, was in dir steckt, statt Kontrolle.
Zeichnen als Achtsamkeitspraxis
Wenn du achtsam zeichnest, wirklich achtsam, und dir Gedanken über die Farbwahl im Einklang mit dir selbst machst — hörst du auf, an die Einkaufsliste zu denken, an die E-Mail an den Chef, an das, was du gestern gesagt hast und ob es gut geklungen hat. Über diese meditative Kraft des Schaffens schreiben wir auch im Artikel Naturinspiriertes Ausmalen als Achtsamkeitspraxis. Das ist der Moment, den Csikszentmihalyi als Flow bezeichnet — einer der regenerierendsten Zustände für unser Nervensystem.
Die japanische Kultur hat dafür das Wort shibui — eine Schönheit, die sich langsam enthüllt, in Stille, in der Konzentration, in der Einfachheit. Ich glaube, dass das Zeichnen ohne Ehrgeiz, ohne Plan, allein um des Schaffens willen, genau diese Art von Schönheit ist.
Es lohnt sich also, dafür zu sorgen, dass dieser Moment — kurz, auch nur fünfzehn Minuten lang — ein Raum ganz für dich ist. Vielleicht am Abend, schon im Bett, vielleicht im Bus. Besonders dann, wenn du dein kleines Atelier einfach mitnehmen kannst :)
Du musst nicht auf den richtigen Moment warten. Du musst keine speziellen Materialien kaufen. Aber wenn du irgendwo zuhause schon ein Set Bleistifte oder Buntstifte hast — hol sie hervor. Leg sie vor dich hin. Lass sie sichtbar sein.
Denn Zeichnen braucht, wie jede Praxis, eine Einladung — einen Raum, der dafür geschaffen wird. Und ich hoffe, dass die Etuis von Bobogna genau diese Einladung sein werden.